Arthur

Arbesser

Der Österreicher Arthur Arbesser lernte beim italienischen Großmeister Armani. Dann gründete er sein eigenes Label, mit dem er weiterhin Liebesbriefe an die Wiener und Mailänder Kultur schreibt. Seine neueste Rolle: Kreativdirektor der Marke Fay.

CARA LERCHL Bis vor Kurzem haben Sie bei Armani und Iceberg gearbeitet. Im September letzten Jahres wurden Sie Chefdesigner von Fay. Wie fühlen Sie sich?

ARTHUR ARBESSER Die Arbeit für Fay fühlt sich natürlich und harmo­nisch an, es macht mir großen Spaß. Ich fühlte mich dort von Anfang an außergewöhnlich wohl. Ich hatte den Eindruck zu verstehen, worum es bei der Marke geht – vielleicht auch, weil ich selbst aus einem relativ konservativen Haus komme.

CL Sie kommen aus Wien und sind, eigenen Worten zufolge, eng mit der Kultur und Geschichte der Stadt verbunden.

AA Meine Eltern sind kulturell interessiert und musisch veranlagt. Unsere Urlaube mit der Familie fanden ausschließlich in Museen, Kirchen und Schlössern statt – Badeurlaub gab es bei uns nicht. Aber wenn man bei 35 Grad durch spanische Habsburger­ schlösser geht, wird man manchmal auch leicht wahnsinnig.

CL Wien gilt bekanntlich nicht gerade als Modemetropole.

AA Ich liebe Wien – heute mehr denn je. Aber für Mode ist es tatsächlich nicht der richtige Ort.

CL Wie kamen Sie darauf, Designer zu werden?

AA Meine Eltern haben mich und meine älteren Brüder häufig ins Theater und die Oper mitgenommen. Ich war erstaunt, wie die Kostüme der Darsteller ihre Hal­tung und Präsenz verändern konnten. Es war auch die Zeit der Supermodels – Cordula Reyer, die mittler­weile zu einer Freundin geworden ist, war in meinen Teenager­Jahren ein richtiger point of reference für mich, ich habe alle Bilder von ihr gesammelt. Später habe ich viel über das Central Saint Martins College gelesen – diese tolle Schule, auf der auch Stella Mc­Cartney, John Galliano und Alexander McQueen studiert haben. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt: „Dort muss ich hin!“ Wie durch ein Wunder hat das geklappt.

CL Endlich flüchten aus Wien.

AA London hat mir Freiheit verschafft, es war eine wahn­sinnig wichtige Zeit für meine Entwicklung und meinen Geschmack. Die Stadt hat mir gezeigt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss. Gleich nach meinem Abschluss wurde ich dann von Armani an­geheuert.

CL Dann hat es Sie aber nach Mailand verschlagen. Mittlerweile leben Sie dort im 13. Jahr.

AA Anfangs fand ich es dort schrecklich, mir hat die Ener­gie auf der Straße gefehlt. Mailand ist aber eine Stadt, die man entdecken muss. Das Leben dort verbirgt sich hinter verschlossenen Türen.

CL Sind Sie im Herzen zum Mailänder geworden?

AA Je älter ich werde, desto mehr besinne ich mich auf meine Wiener Wurzeln zurück. Ich hätte nicht ge­dacht, dass ich das einmal sagen würde.

CL Fay, wo Sie aktuell Chefdesigner sind, steht zwar in starkem Kontrast zu Ihrer eigenen Modelinie, die Tätigkeit dort lässt sich aber, wie es aussieht, durch Ihre konservativen Wurzeln erklären.

AA Genau – die Arbeit für beide Marken lässt sich ideal in Einklang bringen. Ich kann so in meinen künstle­rischen Träumen schwelgen und gleichzeitig eine sehr realistische Kollektion designen, die das Bild der Städte in Italien prägt. Im Grunde ideal.

CL Anfang dieses Jahres kam Ihre erste Kollektion „Ready for Departure” für Fay heraus. Worum ging es Ihnen dabei?

AA Das Reisen ist ein wichtiger Bestandteil der Marke Fay. Daran war auch die Kollektion angelehnt – All­tagsmode, mit der man sich auch im Ausland sehen las­sen kann. Dabei ging es mir darum, das Alphabet der Marke umzuschreiben und ein paar Teile zu entwerfen, die viele verschiedene Personen tragen können – nicht nur der klassische Anwalt. Ich habe frischen Wind, guten Geschmack und schöne Farben reingebracht.

CL Von welchen Epochen in Kunst oder Architektur lassen Sie sich beeinflussen?

AA Das wechselt ständig. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Vom Typ her bin ich ein Schwamm, der alles aufsaugen kann. Mein Horizont erweitert sich durch Begegnungen und neue Dinge. Ansonsten ist es die Mailänder Architektur der 50er­ und 30er­Jahre, die Mailänder Memphis­Gruppe, die Superstudio­ Gruppe aus Florenz. In Wien ist es – ob ich will oder nicht – sicherlich Josef Hoffmann, die Wiener Werk­stätte und deren Stoffdrucke, Metall­ und Glas­erzeugnisse – ich liebe Glas!

CL Ihre jüngste Show fand in einer alten Schule statt, die abrissbereit war. Kümmern Sie sich um solche Locations noch selbst?

AA Ja! Es ist jedes Mal ein Überlebenskampf, mit einem so kleinen Label wie dem meinen überhaupt eine Show zu veranstalten – eigentlich ist es verrückt. Wenn man schon diesen Irrsinn auf sich nimmt, dann sollen die Zuschauer das zumindest auch zu spüren bekommen.

CL War Suzy Menkes wieder dabei?

AA Suzy Menkes ist immer dabei – egal wo, egal wie. Seit­ dem ich den von Franca Sozzani gegründeten „Who Is On Next“­Award der italienischen „Vogue“ gewonnen habe, den einzigen Preis für Jungdesigner in Italien, war es für sie klar, dass sie mich auf meinem Werde­ gang begleiten wird. Es gibt kaum noch Menschen, die so wahrlich interessiert an der Essenz der Mode sind wie sie.

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